Dieses Mal ging es im Vorfeld der WM 2026 um Trump und Korruption der FIFA mit Infantino. Einige kündigten an, sie werden die Weltmeisterschaft nicht anschauen, sie boykottieren das.
Bringen Boykotte bei Sportgroßereignissen etwas? Ich schaue auf Olympia, Fußball, Fasnet 1991, eigene Erinnerungen und die Zuschauerzahlen der WM 2026.
Ich hab nichts von boykottieren gesagt, ich hatte es nicht vor. Selbstverständlich sehe ich viele Problempunkte. Gegenüber den USA bin ich schon immer kritisch. Lange Jahre wurde mir das vorgeworfen, dass ich die tollen USA nicht ausreichend positiv sähe.
Katar, war noch schlimmer, da kamen Menschenrechte und der idiotische Schwachsinn der WM im Winter dazu. Winter in einem Land das selbst fußballbegeistert spielt, wäre für mich anders. So passte nichts.
Olympia und Boykott
Mal mehr, mal weniger, mehrfach zwar diskutiert, aber nicht durchgeführt, wie die Frage nach dem Boykott wegen der Nazis.
Es gab auch die umgekehrte Variante, wie 1948, also Deutschland und Japan nicht teilnehmen durften.
Hinweis: Die Liste enthält jeweils die Links zum passenden Wikipediaartikel, wer genauer nachlesen mag.
- 1936 – Olympische Sommerspiele in Berlin
Vor den Spielen gab es internationale Boykottaufrufe wegen des nationalsozialistischen Regimes. Die meisten Staaten nahmen schließlich doch teil.
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1936 - 1948 – Olympische Sommerspiele in London
Deutschland und Japan waren nach dem Zweiten Weltkrieg von den Spielen ausgeschlossen und nicht eingeladen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1948 - 1956 – Olympische Sommerspiele in Melbourne
Mehrere Staaten boykottierten die Spiele, unter anderem wegen der Suezkrise und der Niederschlagung des Ungarnaufstands.
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1956 - 1976 – Olympische Sommerspiele in Montreal
Afrikanische Staaten boykottierten die Spiele aus Protest gegen die Sportkontakte Neuseelands mit dem Apartheid-Staat Südafrika, schlussendlich boykottierten 28 Staaten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1976 - 1980 – Olympische Sommerspiele in Moskau
Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan boykottierten die USA und zahlreiche weitere Staaten, darunter die Bundesrepublik Deutschland, die Spiele.
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1980 - 1984 – Olympische Sommerspiele in Los Angeles
Als Reaktion auf 1980 boykottierten die Sowjetunion und die meisten Ostblockstaaten, darunter die DDR, die Spiele.
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1984

Dabei ist nicht alles dasselbe: Manche Staaten blieben freiwillig fern, in anderen Fällen wurden Länder ausgeschlossen. Ich erinnere mich daran, dass es 1980 durchaus Ergebnisse und Berichte von Olympia gab – allerdings mit einer deutlich kleineren Auswahl teilnehmender Länder. 1984 dagegen wurde der Boykott hier nur hin und wieder am Rande erwähnt. In den USA selbst schien es vor allem ein großes Fest zu geben.
Eine Freundin, die damals einige Monate dort verbrachte, bat mich in ihren Briefen darum, ihr etwas über das Abschneiden der deutschen Sportler bei Olympia zu schreiben. In den USA habe es kaum eine Möglichkeit gegeben, etwas über andere als die Medaillengewinner und die US-Athleten zu erfahren.
Fasnet, Karneval wurde abgesagt
In Konstanz ist Fasnet wichtig und relevant und alles fiel 1991 aus, es war Golfkrieg. Einig waren sich die Verantwortlichen deutschlandweit nicht. Die Einen argumentierten mit pietätlos, die anderen mit Sicherheit, manche dagegen, dass es grad in solchen Zeiten auch was anderes bräuchte.

Schlussendlich gab es weder Fasnet noch Karneval wie gewohnt. Ich erinnere mich an die Fernsehberichte damals vor allem vom Rosenmontag, einige der Wagenbauer waren in Tränen aufgelöst. Denn die Mottowagen dieser Umzüge sind meist zu den aktuellen Themen der Zeit. Ein solcher Wagen kann so nicht wieder verwendet werden, die Arbeit war dann umsonst.
Ein Zeitungsbericht hierzu aus der nachträglich digitalisierten TAZ. Mehr zum Hintergrund berichtete der öffentliche Landschaftsverband Rheinland.
Fußball und Boykott
Im Fußball gab es eher Ausschlüsse oder freiwillige Absagen. Vermutlich ist vielen noch im Gedächtnis der kurzfristige Ausschluss Jugoslawiens wegen der Kriegsereignisse 1992. Bereits angereist wurden sie ausgeschlossen. Dänemark rückte nach, die dann Europameister wurden.
Im Fußball wurde immer mal vorab über Boykott diskutiert. Es wurden Verhältnisse kritisiert. Schlussendlich kam es, seit ich Fußball schaue, nie zu einem Boykott einer EM oder WM. Schön wäre es, wenn es nur um Sport ginge. Im Vorfeld kündigten einige an die WM zu boykottieren, weil alles nur noch korrupt wäre.

Natürlich habe ich mehr Spaß an einem Spiel des SC Freiburg im UEFA-Finale als an solchen Spielen. Für mich steht dieser Verein eher für Werte als manch andere Bundesligaklubs. Während Vereine wie RB Leipzig, Hoffenheim oder der FC Bayern wegen Eigentümerstrukturen oder Sponsoren häufig stark kritisiert werden, gibt es das bei Freiburg kaum. Und das Finale des SC hatte schlussendlich 4,97 Millionen TV-Zuschauer bei RTL in Deutschland.
Und doch, ich mag Sport, ich schaue gern Sport und es gibt keine eindeutigen Grenzen von Gut und Böse.
Was bringt Boykott?
Die klare Aussage, dass etwas was geschieht verurteilt wird, die wird durch einen Boykott sicher sehr deutlich.
Dieses Jahr wurde rund um die WM schon auch Boykott angesprochen. Historiker sagten in mehreren Berichten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dass kein politischer Boykott eines Sportevents eine relevante Wirkung hatte.
Der DFB lehnte einen Boykott im Januar 2026 nahezu ohne Begründung ab, mit dem Hinweis
„Wir glauben an die verbindende Kraft des Sports … Ein Boykott der Weltmeisterschaft 2026 … ist derzeit kein Thema.“
Immer wieder geht es bei vielen Überlegungen zu Sportboykotts darum, dass es schlussendlich vor allem die Sportler trifft. Für viele Sportler gäbe es genau einmal die Chance bei einem Sportgroßereignis teilzunehmen.
So ähnlich geht es mir mit den Boykotts. Bei den Boykotten, an die ich mich erinnere, sehe ich, dass es nicht klappte. Es machte die Aktiven traurig und veränderte nichts so, dass es auffiel.
Zuschauer beim Fußball
Es gibt also eher persönliche Boykotts, diejenigen, die dann eben nicht schauen, obwohl sie Sport gern schauen.

Mich interessierte nach dem Finale, ob sich das an Zuschauerzahlen zeigt.
Frauen und Männer
Frauenfußball hat weniger Zuschauer. Ja, denn seit ich denken kann, gibts die Sportschau zur Bundesliga der Männer. Viel später kamen erste Übertragungen, lange hieß es Mädchen könnten nicht Fußball spielen, selbst eine ARD-Doku dazu heißt «Mädchen können kein Fußball spielen«.
Insofern sind die Zuschauerzahlen des EM-Finales 2022 England-Deutschland mit über 17 Millionen sensationell. Die Frauen holen auf. Einige Ergebnisse sind sicher nicht nur der fehlenden Präsenz über Jahrzehnte geschuldet. Die Anstoßzeiten waren lange ebenfalls nicht wie die der Männer zu Zeiten, in denen viel geschaut wird. Daher sind die niedrigeren Werte sicherlich keine Aussage zu bewusstem Boykott.

Zuschauerzahlen und Boykott
Die Männer werden besonders gern geschaut, wenn es einen Bezug zum eigenen Land gibt. Ist Deutschland im Finale, fand es hier statt oder ist zumindest ein deutscher Trainer beteiligt, dann wird häufiger geschaut.
Was dann schon auffällt sind die Orte der Weltmeisterschaften. Je nach Ort sind die Zuschauerzahlen bei Europameisterschaften höher als für Russland, Katar oder eben jetzt die USA.
Wer daher schreibt:
«Ich dachte ihr wolltet boykottieren?!»
sollte mal einen Blick auf die Tabelle werfen, denn manche Zahlen zeigen schon, dass nicht alle kritiklos schauten.
Hinweis zur Tabelle: Die Tabelle lässt sich sortieren. Falls rechts Spalten fehlen, einfach seitlich scrollen bzw. verschieben.
| Rang | Turnier | Jahr | Finale | Ergebnis | Finalort | Zuschauer |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | WM Männer | 2014 | Deutschland – Argentinien | 1:0 n. V. | Rio de Janeiro, Brasilien | 34,65 Mio. |
| 2 | EM Männer | 2008 | Deutschland – Spanien | 0:1 | Wien, Österreich | 28,05 Mio. |
| 3 | WM Männer | 2002 | Deutschland – Brasilien | 0:2 | Yokohama, Japan | 26,50 Mio. |
| 4 | WM Männer | 2006 | Italien – Frankreich | 1:1 n. V., 5:3 i. E. | Berlin, Deutschland | 25,90 Mio. |
| 5 | EM Männer | 2004 | Portugal – Griechenland | 0:1 | Lissabon, Portugal | 25,40 Mio. |
| 6 | WM Männer | 2010 | Niederlande – Spanien | 0:1 n. V. | Johannesburg, Südafrika | 25,11 Mio. |
| 7 | EM Männer | 2024 | Spanien – England | 2:1 | Berlin, Deutschland | 21,64 Mio. |
| 8 | WM Männer | 2018 | Frankreich – Kroatien | 4:2 | Moskau, Russland | 21,32 Mio. |
| 9 | EM Männer | 2000 | Frankreich – Italien | 2:1 n. V. | Rotterdam, Niederlande | 21,18 Mio. |
| 10 | EM Männer | 2021 | Italien – England | 1:1 n. V., 3:2 i. E. | London, England | 20,98 Mio. |
| 11 | EM Männer | 2012 | Spanien – Italien | 4:0 | Kiew, Ukraine | 20,31 Mio. |
| 12 | EM Männer | 2016 | Portugal – Frankreich | 1:0 n. V. | Saint-Denis, Frankreich | 18,83 Mio. |
| 13 | EM Frauen | 2022 | England – Deutschland | 2:1 n. V. | London, England | 17,95 Mio. |
| 14 | WM Männer | 2026 | Spanien – Argentinien | 1:0 n. V. | East Rutherford bei New York, USA | 17,36 Mio. |
| 15 | WM Frauen | 2011 | Japan – USA | 2:2 n. V., 3:1 i. E. | Frankfurt am Main, Deutschland | 15,34 Mio. |
| 16 | WM Männer | 2022 | Argentinien – Frankreich | 3:3 n. V., 4:2 i. E. | Lusail, Katar | 13,86 Mio. |
| 17 | WM Frauen | 2007 | Deutschland – Brasilien | 2:0 | Shanghai, China | 9,05 Mio. |
| 18 | EM Frauen | 2009 | England – Deutschland | 2:6 | Helsinki, Finnland | ca. 8,5 Mio. |
| 19 | WM Frauen | 2003 | Deutschland – Schweden | 2:1 n. V. | Carson bei Los Angeles, USA | ca. 8,0 Mio. |
| 20 | WM Frauen | 2019 | USA – Niederlande | 2:0 | Décines-Charpieu bei Lyon, Frankreich | ca. 8,0 Mio. |
| 21 | EM Frauen | 2001 | Deutschland – Schweden | 1:0 n. V. | Ulm, Deutschland | ca. 8,0 Mio. |
| 22 | EM Frauen | 2013 | Deutschland – Norwegen | 1:0 | Solna bei Stockholm, Schweden | ca. 7,4 Mio. |
| 23 | EM Frauen | 2025 | England – Spanien | 1:1 n. V., 3:1 i. E. | Basel, Schweiz | ca. 7,1 Mio. |
| 24 | WM Frauen | 2023 | Spanien – England | 1:0 | Sydney, Australien | ca. 5,9 Mio. |
| 25 | EM Frauen | 2017 | Niederlande – Dänemark | 4:2 | Enschede, Niederlande | ca. 4,2 Mio. |
| 26 | WM Frauen | 2015 | USA – Japan | 5:2 | Vancouver, Kanada | ca. 4,0 Mio. |
| 27 | EM Frauen | 2005 | Deutschland – Norwegen | 3:1 | Blackburn, England | ca. 4,0 Mio. |



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