Ereignis boykottieren

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Ereignis boykottieren

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Dieses Mal ging es im Vorfeld der WM 2026 um Trump und Korruption der FIFA mit Infantino. Einige kündigten an, sie werden die Weltmeisterschaft nicht anschauen, sie boykottieren das.

Bringen Boykotte bei Sportgroßereignissen etwas? Ich schaue auf Olympia, Fußball, Fasnet 1991, eigene Erinnerungen und die Zuschauerzahlen der WM 2026.

Ich hab nichts von boykottieren gesagt, ich hatte es nicht vor. Selbstverständlich sehe ich viele Problempunkte. Gegenüber den USA bin ich schon immer kritisch. Lange Jahre wurde mir das vorgeworfen, dass ich die tollen USA nicht ausreichend positiv sähe.

Katar, war noch schlimmer, da kamen Menschenrechte und der idiotische Schwachsinn der WM im Winter dazu. Winter in einem Land das selbst fußballbegeistert spielt, wäre für mich anders. So passte nichts.

Olympia und Boykott

Mal mehr, mal weniger, mehrfach zwar diskutiert, aber nicht durchgeführt, wie die Frage nach dem Boykott wegen der Nazis.

Es gab auch die umgekehrte Variante, wie 1948, also Deutschland und Japan nicht teilnehmen durften.

Hinweis: Die Liste enthält jeweils die Links zum passenden Wikipediaartikel, wer genauer nachlesen mag.

Ute verfolgt ein Handballspiel im Fernsehen, während der Laptop geöffnet auf dem Tisch steht.
Sport schauen, auch eine Handball-EM läuft bei mir oft nebenbei – mit einem Blick aufs Spiel und einem auf den Rechner

Dabei ist nicht alles dasselbe: Manche Staaten blieben freiwillig fern, in anderen Fällen wurden Länder ausgeschlossen. Ich erinnere mich daran, dass es 1980 durchaus Ergebnisse und Berichte von Olympia gab – allerdings mit einer deutlich kleineren Auswahl teilnehmender Länder. 1984 dagegen wurde der Boykott hier nur hin und wieder am Rande erwähnt. In den USA selbst schien es vor allem ein großes Fest zu geben.

Eine Freundin, die damals einige Monate dort verbrachte, bat mich in ihren Briefen darum, ihr etwas über das Abschneiden der deutschen Sportler bei Olympia zu schreiben. In den USA habe es kaum eine Möglichkeit gegeben, etwas über andere als die Medaillengewinner und die US-Athleten zu erfahren.

Fasnet, Karneval wurde abgesagt

In Konstanz ist Fasnet wichtig und relevant und alles fiel 1991 aus, es war Golfkrieg. Einig waren sich die Verantwortlichen deutschlandweit nicht. Die Einen argumentierten mit pietätlos, die anderen mit Sicherheit, manche dagegen, dass es grad in solchen Zeiten auch was anderes bräuchte.

historisches Foto 1990 zeigt Ute mit einem Kind in Fasnachtskleidung.
1990 Fasnet in Konstanz mit einem Häs mit Konstanzer Wappen, bei mir im Bild auch noch geschminkt, im Jahr darauf fiel es aus.

Schlussendlich gab es weder Fasnet noch Karneval wie gewohnt. Ich erinnere mich an die Fernsehberichte damals vor allem vom Rosenmontag, einige der Wagenbauer waren in Tränen aufgelöst. Denn die Mottowagen dieser Umzüge sind meist zu den aktuellen Themen der Zeit. Ein solcher Wagen kann so nicht wieder verwendet werden, die Arbeit war dann umsonst.

Ein Zeitungsbericht hierzu aus der nachträglich digitalisierten TAZ. Mehr zum Hintergrund berichtete der öffentliche Landschaftsverband Rheinland.

Fußball und Boykott

Im Fußball gab es eher Ausschlüsse oder freiwillige Absagen. Vermutlich ist vielen noch im Gedächtnis der kurzfristige Ausschluss Jugoslawiens wegen der Kriegsereignisse 1992. Bereits angereist wurden sie ausgeschlossen. Dänemark rückte nach, die dann Europameister wurden.

Im Fußball wurde immer mal vorab über Boykott diskutiert. Es wurden Verhältnisse kritisiert. Schlussendlich kam es, seit ich Fußball schaue, nie zu einem Boykott einer EM oder WM. Schön wäre es, wenn es nur um Sport ginge. Im Vorfeld kündigten einige an die WM zu boykottieren, weil alles nur noch korrupt wäre.

Ein Golden Retriever schläft entspannt vor dem Fernseher, auf dem ein Fußballspiel läuft.
SC Freiburg im UEFA-Finale, dem Goldie ists egal, ich hatte gehofft…

Natürlich habe ich mehr Spaß an einem Spiel des SC Freiburg im UEFA-Finale als an solchen Spielen. Für mich steht dieser Verein eher für Werte als manch andere Bundesligaklubs. Während Vereine wie RB Leipzig, Hoffenheim oder der FC Bayern wegen Eigentümerstrukturen oder Sponsoren häufig stark kritisiert werden, gibt es das bei Freiburg kaum. Und das Finale des SC hatte schlussendlich 4,97 Millionen TV-Zuschauer bei RTL in Deutschland.

Und doch, ich mag Sport, ich schaue gern Sport und es gibt keine eindeutigen Grenzen von Gut und Böse.

Was bringt Boykott?

Die klare Aussage, dass etwas was geschieht verurteilt wird, die wird durch einen Boykott sicher sehr deutlich.

Dieses Jahr wurde rund um die WM schon auch Boykott angesprochen. Historiker sagten in mehreren Berichten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dass kein politischer Boykott eines Sportevents eine relevante Wirkung hatte.

Der DFB lehnte einen Boykott im Januar 2026 nahezu ohne Begründung ab, mit dem Hinweis

„Wir glauben an die verbindende Kraft des Sports … Ein Boykott der Weltmeisterschaft 2026 … ist derzeit kein Thema.“

Immer wieder geht es bei vielen Überlegungen zu Sportboykotts darum, dass es schlussendlich vor allem die Sportler trifft. Für viele Sportler gäbe es genau einmal die Chance bei einem Sportgroßereignis teilzunehmen.

So ähnlich geht es mir mit den Boykotts. Bei den Boykotten, an die ich mich erinnere, sehe ich, dass es nicht klappte. Es machte die Aktiven traurig und veränderte nichts so, dass es auffiel.

Zuschauer beim Fußball

Es gibt also eher persönliche Boykotts, diejenigen, die dann eben nicht schauen, obwohl sie Sport gern schauen.

Goldie und Cavi ist Fußball im Fernsehen egal
Fußball schauen, die Jungs kommen und kuscheln, WM

Mich interessierte nach dem Finale, ob sich das an Zuschauerzahlen zeigt.

Frauen und Männer

Frauenfußball hat weniger Zuschauer. Ja, denn seit ich denken kann, gibts die Sportschau zur Bundesliga der Männer. Viel später kamen erste Übertragungen, lange hieß es Mädchen könnten nicht Fußball spielen, selbst eine ARD-Doku dazu heißt «Mädchen können kein Fußball spielen«.

Insofern sind die Zuschauerzahlen des EM-Finales 2022 England-Deutschland mit über 17 Millionen sensationell. Die Frauen holen auf. Einige Ergebnisse sind sicher nicht nur der fehlenden Präsenz über Jahrzehnte geschuldet. Die Anstoßzeiten waren lange ebenfalls nicht wie die der Männer zu Zeiten, in denen viel geschaut wird. Daher sind die niedrigeren Werte sicherlich keine Aussage zu bewusstem Boykott.

Liniendiagramm mit den TV-Zuschauerzahlen von WM- und EM-Finals der Frauen und Männer in Deutschland seit dem Jahr 2000.
Die Zuschauerzahlen zeigen: Das Interesse an großen Fußballturnieren verändert sich über die Jahre – und hängt von Mannschaften, Geschichten und Spielorten ab.

Zuschauerzahlen und Boykott

Die Männer werden besonders gern geschaut, wenn es einen Bezug zum eigenen Land gibt. Ist Deutschland im Finale, fand es hier statt oder ist zumindest ein deutscher Trainer beteiligt, dann wird häufiger geschaut.

Was dann schon auffällt sind die Orte der Weltmeisterschaften. Je nach Ort sind die Zuschauerzahlen bei Europameisterschaften höher als für Russland, Katar oder eben jetzt die USA.

Wer daher schreibt:

«Ich dachte ihr wolltet boykottieren?!»

sollte mal einen Blick auf die Tabelle werfen, denn manche Zahlen zeigen schon, dass nicht alle kritiklos schauten.

Hinweis zur Tabelle: Die Tabelle lässt sich sortieren. Falls rechts Spalten fehlen, einfach seitlich scrollen bzw. verschieben.

TV-Zuschauer in Deutschland bei WM- und EM-Finalspielen seit 2000
Rang Turnier Jahr Finale Ergebnis Finalort Zuschauer
1 WM Männer 2014 Deutschland – Argentinien 1:0 n. V. Rio de Janeiro, Brasilien 34,65 Mio.
2 EM Männer 2008 Deutschland – Spanien 0:1 Wien, Österreich 28,05 Mio.
3 WM Männer 2002 Deutschland – Brasilien 0:2 Yokohama, Japan 26,50 Mio.
4 WM Männer 2006 Italien – Frankreich 1:1 n. V., 5:3 i. E. Berlin, Deutschland 25,90 Mio.
5 EM Männer 2004 Portugal – Griechenland 0:1 Lissabon, Portugal 25,40 Mio.
6 WM Männer 2010 Niederlande – Spanien 0:1 n. V. Johannesburg, Südafrika 25,11 Mio.
7 EM Männer 2024 Spanien – England 2:1 Berlin, Deutschland 21,64 Mio.
8 WM Männer 2018 Frankreich – Kroatien 4:2 Moskau, Russland 21,32 Mio.
9 EM Männer 2000 Frankreich – Italien 2:1 n. V. Rotterdam, Niederlande 21,18 Mio.
10 EM Männer 2021 Italien – England 1:1 n. V., 3:2 i. E. London, England 20,98 Mio.
11 EM Männer 2012 Spanien – Italien 4:0 Kiew, Ukraine 20,31 Mio.
12 EM Männer 2016 Portugal – Frankreich 1:0 n. V. Saint-Denis, Frankreich 18,83 Mio.
13 EM Frauen 2022 England – Deutschland 2:1 n. V. London, England 17,95 Mio.
14 WM Männer 2026 Spanien – Argentinien 1:0 n. V. East Rutherford bei New York, USA 17,36 Mio.
15 WM Frauen 2011 Japan – USA 2:2 n. V., 3:1 i. E. Frankfurt am Main, Deutschland 15,34 Mio.
16 WM Männer 2022 Argentinien – Frankreich 3:3 n. V., 4:2 i. E. Lusail, Katar 13,86 Mio.
17 WM Frauen 2007 Deutschland – Brasilien 2:0 Shanghai, China 9,05 Mio.
18 EM Frauen 2009 England – Deutschland 2:6 Helsinki, Finnland ca. 8,5 Mio.
19 WM Frauen 2003 Deutschland – Schweden 2:1 n. V. Carson bei Los Angeles, USA ca. 8,0 Mio.
20 WM Frauen 2019 USA – Niederlande 2:0 Décines-Charpieu bei Lyon, Frankreich ca. 8,0 Mio.
21 EM Frauen 2001 Deutschland – Schweden 1:0 n. V. Ulm, Deutschland ca. 8,0 Mio.
22 EM Frauen 2013 Deutschland – Norwegen 1:0 Solna bei Stockholm, Schweden ca. 7,4 Mio.
23 EM Frauen 2025 England – Spanien 1:1 n. V., 3:1 i. E. Basel, Schweiz ca. 7,1 Mio.
24 WM Frauen 2023 Spanien – England 1:0 Sydney, Australien ca. 5,9 Mio.
25 EM Frauen 2017 Niederlande – Dänemark 4:2 Enschede, Niederlande ca. 4,2 Mio.
26 WM Frauen 2015 USA – Japan 5:2 Vancouver, Kanada ca. 4,0 Mio.
27 EM Frauen 2005 Deutschland – Norwegen 3:1 Blackburn, England ca. 4,0 Mio.
Ute verfolgt ein EM-Spiel im Fernsehen und drückt der georgischen Mannschaft die Daumen.
Georgien hätte ich es gegönnt, dass sie noch weiter kämen im Turnier der EM 2024
Ute bloggt seit 2007, ist seit 2004 selbständige Diplom-Informatikerin (FH) aus dem Landkreis Konstanz, die seit den 90-ern im Internet aktiv ist. Ich schreibe über das was mich interessiert. Meine Standorte sind Randegg im Hegau und Walddorf, Altensteig im Schwarzwald.

Kommentare

Ein Kommentar zu «Ereignis boykottieren»

  1. Avatar von Ute

    Immerhin schon der zweite Rückblick und dieses Mal ist es schon passender. Ute blickt zurück Meiner! Mein Teich, mein Schwimmteich, Roland hat ihn mir letztes Jahr so gebaut. Nicht riesig, kein Pool, kein Filter nur Solarpumpen, die zwischen den Teichen das Wasser austauschen. An warmen Tagen gehe ich mindestens dreimal täglich rein. Meist nicht sehr […]

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