Bei vielem im Alltag habe ich die Tendenz seit Kindertagen: «Selber!» Ich kann das, ich mag es machen, ich will keine Hilfe. In manchen Situationen lernte ich im Lauf der Jahrzehnte, dass es zuweilen klug ist nicht immer alles selbst zu machen.
Mein «Selber» ist schon auch Wunderfitz (hochdeutsch Neugier), ich mag oft einfach wissen, wie es geht, ob ich es so kann, wie ich mir wünsche.
Ich nutze Selbstbedienungskassen gern – wenn sie gut funktionieren. Warum derselbe Einkauf bei verschiedenen Märkten völlig unterschiedlich ablaufen kann und weshalb mich ein Erdbeer-Etikett zum Schreiben dieses Beitrags brachte.
Selfscan-Kassen
Je nach Geschäft heißen die etwas anders, die ersten, die ich selbst nutzte waren im Bauhaus. Ich mochte es, grad mit einigen Kleinigkeiten schnell dort selbst zu scannen, statt in der Schlange zu warten.
Ja, ich weiß, mehr scannende Kunden führen auf Dauer zu weniger Kassenmitarbeitern. Andererseits sind mir beratende und unterstützende Menschen im Laden lieber, als viel Kassenpersonal.
Im Bauhaus hatten sie irgendwann keine Kasse geöffnet, dafür mehrere Mitarbeiter bei den selbst-Kassierplätzen. Für mich kein Problem, denn im Zweifel kassieren die dort ebenso vollständig wie an einer Kasse. Für manche Kunden ein Grund die gesammelten Artikel wütend an einer ungenutzten Kasse abzulegen und zu gehen. Eine Mitarbeiterin bestätigte auf meine Frage, dass das nicht selten sei.
Selbstbedienungskassen im Discounter
Wir kaufen relativ häufig in ein und demselben Discounter, weil es eben genau diesen dort gibt, wo wir oft sind. Weil dieser für manche Artikel ein für uns gut passendes Sortiment hat. Wir nutzen dort die App. Somit können wir ohne Karte, ohne Bargeld, ohne Bon vor Ort einkaufen und alles ist elektronisch vorhanden.

Als die Selbstbedienungskasse in einer der Filialen eingeführt wurde, die ich regelmäßig besuche, schaute ich erst einmal. Einige Male nahm ich war, was ich sah. Die eine Filiale ist nahe dem schweizer Zoll und gut auch für LKW anzufahren, die Fahrer waren glücklich und nutzten es als erste. Meist haben die wenige Artikel für den Verbrauch zur nächsten Mahlzeit aus der Hand, da passt es schnell zu sein.
Irgendwann nach einigen Tagen hatte ich etwas Zeit, insgesamt wars ruhig im Laden. Ich hatte eine gute Mischung von Dingen, die ich häufig kaufe. Ich testete also. In Ruhe nebendran die Kassiererin, die ebenfalls nicht viel zu tun hatte, so konnte ich fragen und testen. Diesen Einkauf hätte sie deutlich schneller gelöst, klar. Doch ich hatte damit alles mal getestet, was ich so brauche und wusste, was wie einzugeben war, wie Obst zu wiegen ist, wo die Etiketten am Artikel sind usw.
Inzwischen schaue ich je nach eigenem Einkauf und voraussichtlicher Wartezeit was mir in dem Moment lieber ist.
Die Kleinen können das nicht
Ja, die Entwicklung, dass kleine Tante-Emma-Läden noch erhalten bleiben wird damit vermutlich nicht gefördert. Wobei es neue Konzepte und Ideen gibt. Manche gründen einen Verein, der dann einen kleinen Laden betreibt. Andere investieren in einen stark automatisierten 24/7 Shop.
Insgesamt verschwinden immer mehr der kleinen Geschäfte. Wo früher Ladenzeilen mit Bäcker, Metzger, Tante-Emma-Laden und einem Toto-Lotto-Shop üblich waren, gibt es heute eben noch den einen Supermarkt oder Discounter, mit der SB-Brottheke und allen anderen Artikeln vorverpackt fürs selbst in den Wagen legen.
Also nochmal ja, wenn die Großen günstiger anbieten können, weil sie weiter Personal einsparen, haben es die kleineren Geschäfte noch schwerer zu bestehen. Ich nutze die Self-Scan-Plätze, kaufe andererseits oft und gern an Obst-Gemüseständen oder bei anderen spezialisierten Anbietern vor Ort.
Ein großer kanns nicht
Wir kaufen nicht selten bei Lidl. Wir haben die Erfahrung, dass Lidl mit Obst und Gemüse, für einen Supermarkt eine überwiegend gute Qualität bietet.
Hin und wieder kaufen wir auch mal woanders ein, gestern weil es grad am Weg lag. In der Nähe des Tierarzts gibts ein Kaufland. Dort auf dem Gelände gibt es einen tollen örtlichen Metzger, daher waren wir schon mal in diesem Kaufland.
Beim letzten Mal hatten sie grad begonnen mit SB-Kassen. Alles war schwierig, langsam, das Personal wenig hilfreich. Und völlig unverständlich wiegen und nochmal wiegen.
Wiegen und wiegen
Viele Märkte haben vor Jahren auf Kassen umgestellt, die das Wiegen von offenen Artikeln wie manchem Obst und Gemüse übernehmen. Davon gibt es die ein oder andere Ausnahme, die ich schon immer schwierig und überflüssig finde.

Gewogen und für zu leicht befunden
Nun, das Kaufland hat das Prinzip noch weiter «perfektioniert» nicht nur für die üblichen Kassen, auch für die SB-Kasse muss gewogen werden und ein Etikett wird gedruckt. Ich hatte zwei Schachteln Erdbeeren, ich wog sie an der Waage, ärgerte mich dass da nichts wählbar war an Papierverpackung. Die eine Schachtel wog 454 g, die andere 460 g. Ich dachte, ich scanne einfach das Etikett.
Nein, so läuft das nicht, es geht um Kontrolle. Die SB-Kasse braucht das korrekte Etikett pro Schachtel, die offenen Erdbeeren müssen also passend mehrfach hin und her bewegt werden, bis die Waage und der Scanner zum gleichen Ergebnis kommen.
Unnötige Arbeitsschritte für ein Standardvorgehen, ich hasse es. Dieses Kaufland-Vorgehen habe ich für zu leicht befunden.
Unpraktisch und unklar
Diese Erkenntnis, dass ich mehrfach passend wiegen muss hatte ich nicht selbst. Eine Mitarbeiterin stürmte herbei, wir würden ja alles falsch machen. Es sei doch klar, dass die einzelne Schachtel passend da anzugeben sei. Und natürlich würde da mit Verpackung alles klar sein. Nein, nein, alles falsch: «Sie müssen auch die abgepackten Zwetschgen erstmal wiegen».
Wir schauten uns an, wir kennen Lidl. Dort wählen wir Obst und Gemüse an der Theke aus und bringen unsere Artikel ohne zu wiegen zur Kasse. Das klappt an beiden Kassensystemen, ob mit einer Person, die kassiert oder beim selbst scannen.
Lidl hat mittlerweile sogar eine KI in ihren SB-Kassen die zu erkennen versucht, welcher Artikel es sein könnte. Gerade bei Obst und Gemüse klappt das oft schon gut.
Selbst wenn es automatisch nicht klappt, so gibts einen einfachen Weg.
Kürzlich waren Stachelbeeren dem System unklar. Nun, dann ein kurzer Klick zum Obst, dort werden diverse Verpackungsvarianten angeboten, auswählen, wiegen lassen, fertig.
Unprofessionell
Im Nachhinein, erkannte ich am winzigen Erdbeerzettel vom Kaufland, dass tatsächlich ein Tara berücksichtigt worden war. Zuhause bei guter Beleuchtung und als ich intensiv suchte, ja.
Aber warum steht das nicht deutlich an der Auswahl? Wieso soll ich lose Ware eintippen, wenn ich einen Karton oder eine Plastikschachtel habe? Und was stimmt mit der Personalschulung nicht, wenn uns die Mitarbeiterin nur vermittelt, dass wir alles falsch machen würden? Wir wären falsch, das System sei richtig.
Schneller SB kassieren
Das Kaufland wirbt dafür, wie toll es sei selbst zu kassieren. Schon 2023 überzeugte das nicht.
Besonders erstaunlich bei den massiven Unterschieden im Umgang der Systeme ist, dass zumindest teils wohl Kaufland und Lidl dasselbe System nutzen. Beide gehören zur gleichen Unternehmensgruppe.
Selber! Selbst kassieren
Für mich bleibt, ich mag es die Wahl zu haben. Optimal finde ich, wenn ich selbst entscheiden kann, was ich möchte. Wenn ich aussuchen kann, ob eine Mitarbeiterin kassiert oder ob ich eine Self-Scan-Stelle nutze.

Manche Läden schaffen es jedoch, dass ich keins von beidem mehr will. Wenn alles unnötig schwierig, kompliziert und unklar ist, dann macht es schon wenig Freude. Aber wenn dann noch das Personal vermittelt, dass wir falsch seien, nun, dann ist es klar. Nochmal möchte ich das nicht.
Mein Roland teilte das der Mitarbeiterin in klaren Worten mit. Sie könne nichts fürs System ihres Arbeitgebers. Doch sie könne etwas dafür, die Fehler ausschließlich bei uns als Kunden zu suchen.


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