Im Beitrag Tierisch erzählte ich aus der Kinderzeit. Ich hatte schon Tiere, aber es war alles nicht so, wie ich denke, dass es sinnvoll war.
Main-Taunus-Zentrum
Schlussendlich ich wollte ein Tier. Und, ja klar, es gab sie diese wunderbaren Zoohandlungen. Bei uns in Konstanz war das schon eine, aber die war eher klein. In den Sommerferien bei meiner Tante, da gab’s bereits das Main-Taunus-Zentrum. Zumindest gefühlt waren alle Geschäfte in Konstanz zusammen weniger und kleiner als das Main-Taunus-Zentrum.
Zoohandlung
Und die hatten eine Zoohandlung mit einer Scheibe, da waren Zwerghasen. Wunderschöne plüschige Zwerghasen. Ich habe im Sommer Geburtstag, meine Patentante schaute daher jedes Jahr mit mir in den Sommerferien nach einem Geschenk.
Beim ersten Ausflug dorthin schauten wir nur. In den nächsten Tagen gabs das Telefonat mit meiner Mutter, ob das was die Idee war, erlaubt wäre. So weit ich mich erinnere, klappte es immer. Meine Mutter war diesbezüglich entweder großzügig, naiv oder hoffnungsvoll, ich weiß es nicht.
Wider besseren Wissens erlaubte sie jedesmal wieder ein Tier.
Mümmela
So gab es also eine Zugfahrt mit Zwerghase. Der, nein, eigentlich die, zog also um. Das Zwergkaninchen bekam keinen sehr ungewöhnlichen Namen, denn Mümmel und Mümmelmann für Hasen war nicht ungewöhnlich. Damals gab es den Schlager Michaela von Bata Illic, laut grölend dichtete ich um auf Mümme-Lala, aha… 😉
Mümmela war teils auf Ausflügen dabei. Wir wohnten in einem Häuserkomplex mit einem Teil ehemaliger Werkstatt, da war eine Pergola direkt am Garten mit Wiese. Dort stand der Käfig. Insgesamt wohnten dort in diesem Hinterhof so um die acht Personen. Von außen war es nicht einsehbar.
…am Ostersonntag weg

Lange passte das alles, es war einfach Mümmela aus dem Käfig zu nehmen. Sie konnte so leicht auf der Wiese selbst Futter aussuchen.
Ostersonntagmorgen, warum auch immer ich die erste war, die nach dem Zwergkaninchen schaute. Es war so. Ich ging runter, ich wollte Mümmela streicheln und da war nichts. Ein geschlossener leerer Käfig. Weg.
Auch wenn ich mich sonst nicht allzu gut um meine Tiere kümmerte, das war schrecklich. Ich war wohl um die zehn Jahre alt, es war Ostersonntag und mein Zwerghase war weg.
Der Käfig war verschlossen. Es gab keine Chance, dass nur mein Hase kurz im Garten wäre, weil der Käfig nicht gut zu gewesen wäre. Mit mehreren Bewohnern suchten wir noch kurz, aber da war nichts.
Ostern, christliche Familie, wir mussten dann auch los zum Gottesdienst mit den Großeltern.
Hase weg, Kind traurig
Es war klar, irgendwer, der wusste, dass da ein Zwerghase war, hatte das Tier mitgenommen. Ich war traurig, sehr traurig und Hase weg und Ostern war schon richtig schlimm.
Anzeige erstatten
Opa hatte die Idee. Wir sollten nochmal schauen, ob sich etwas geändert hätte, aber sonst sei ja die Mainauwache in der Nähe, wir könnten eine Vermisstenanzeige aufgeben.
So machten wir es, wir schauten nochmal, suchten nochmal im Garten, fragten die Nachbarn, aber nichts.
Meine Mutter ging mit mir zur Polizei. Ostersonntag, Mutter und Kind nachmittags und gingen und gaben eine Vermisstenanzeige auf.
Die Polizisten waren ernsthaft. Die machten genau das mit, was ich erwartete. Sie nahmen die Anzeige auf. Sie fragten nach dem Namen, Mümmela, sie notierten die Beschreibung, weißes Zwergkaninchen und sie versprachen sich zu melden, wenn sie etwas erfahren würden.
Was ich lernte
Ich weiß nicht mehr jedes Detail der Anzeige. Ich weiß nicht, ob die Polizisten meiner Mutter vermittelten, dass eine solche Anzeige gar nicht möglich ist.
Aber ich weiß, was ich fühlte.

An diesem Tag und in dieser Situation fühlte ich mich ernst genommen. Von allen schon anfangs.
Noch mehr dann von meinem Großvater, der die Idee mit der Anzeige hatte. Er hatte mir immer beigebracht, dass die Polizei wichtig wäre, dass ich da in einem Notfall immer hingehen sollte.
Und genau das passte an diesem Tag.
Man sagte es mir nicht so deutlich, aber auch ich ahnte, dass die Polizei Mümmela auch nicht finden würde. Erst Jahre später erzählte man mir, dass vermutlich ein Bekannter sich einen Osterbraten gestohlen hätte.
Nicht direkt vom aber wegen des Tiers gelernt

In vielen Fällen erinnere ich mich an «du kannst das nicht», «du weißt das nicht» oder ähnliches. Dass Erwachsene mich ernst nehmen, das war schon ungewöhnlich. Es war eine bis heute recht lebendige Erinnerung für «Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere».
Blogparaden
Es gibt derzeit mehrere Blogparaden, die etwas mit Tieren zu tun haben. Mich inspirierten die zu drei Artikeln, die hier als kleine Serie stehen. Sie sind jedoch einzelne Beiträge, die thematisch die jeweiligen Themen dort aufgreifen. Gern verlinke ich hier und beteilige mich damit dort. Dieser Beitrag nimmt teil bei der Parade: Blogparade von Tieren gelernt.
Meine kleine Serie geht weiter mit Richie, Gismo und ich.


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